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ISO 42001 vs EU AI Act

ISO 42001 vs KI-Verordnung. Das komplette Mapping.

Eine freiwillige Management-System-Norm gegen eine bindende EU-Verordnung. Keine Alternativen — sondern komplementär, und die Kombination ist der schnellste Weg zu reifer KI-Governance.

Artikelweises Mapping · Konformitätsbewertung vs Zertifizierung · Was ISO 42001 nicht abdeckt

Auf einen Blick

Die acht wesentlichen Unterschiede.

Dimension
ISO 42001
EU AI Act
Typ
Freiwillige Management-System-Norm
Bindende EU-Verordnung
Rechtswirkung
Zertifizierung durch akkreditierte Stelle
Unmittelbare Wirkung in allen EU-Mitgliedstaaten
Anwendungsbereich
Jede Organisation, die KI entwickelt, anbietet oder nutzt
Akteure in EU + KI-Systeme im EU-Markt
Anforderung
AI Management System (AIMS) — Kapitel 4-10 + 38 Annex-A-Controls
Klassifizierung + risikoklassenspezifische Pflichten
Strafe
Zertifikatsverlust
Bis zu 35 Mio. € oder 7 % weltw. Jahresumsatz (Art. 99)
Geltung
Veröffentlicht Dez 2023, Zertifizierungen laufend
In Kraft Aug 2024, Hochrisiko-Pflichten Aug 2026
Konformitätsnachweis
Audit + Zertifikat
Konformitätsbewertung (Art. 43) + CE-Kennzeichnung + Erklärung
Lebenszyklus
3-Jahres-Zertifizierungszyklus mit jährlicher Überwachung
Laufendes Post-Market-Monitoring + Vorfallsmeldung

Artikelmapping

Wo sie sich treffen.

Etwa 60 % der Hochrisiko-AI-Act-Pflichten haben ein direktes ISO-42001-Pendant. Behandeln Sie das als Implementierungsfahrplan — mit ISO 42001 starten, AI-Act-spezifische Verfahren aufsetzen.

ISO-42001-Anforderung
AI-Act-Artikel
Hinweis
Kapitel 4 — Kontext
Art. 3 — Definitionen, Art. 5 — verbotene Praktiken
Scope und Rolle bestimmen geltende Artikel
Kapitel 5 — Führung
Art. 17 — Qualitätsmanagementsystem
Verpflichtung der Leitung zur KI-Governance
Kapitel 6 — Planung
Art. 9 — Risikomanagementsystem
Direktestes Mapping; iterativer Risikoprozess
Kapitel 7 — Unterstützung
Art. 4 — KI-Kompetenz, Art. 28 — Bevollmächtigte
Ressourcen, Kompetenz, Kommunikation
Kapitel 8 — Betrieb
Art. 16-27 — Anbieter- und Betreiberpflichten
Operative Umsetzung der Pflichten
Kapitel 9 — Bewertung der Leistung
Art. 72 — Post-Market-Monitoring
Überwachung, Messung, Audit
Kapitel 10 — Verbesserung
Art. 73 — Meldung schwerwiegender Vorfälle
Korrekturmaßnahmenkreis
A.2 — KI-Richtlinien
Art. 17(1)(a) — Dokumentierte Strategie
Richtlinienrahmen
A.3 — Interne Organisation
Art. 16 — Verantwortlichkeiten
Rollen und Rechenschaft
A.4 — Ressourcen
Art. 4 — KI-Kompetenz
Kompetentes Personal
A.5 — Folgenabschätzung
Art. 27 — Grundrechte-Folgenabschätzung
Teilabdeckung; FRIA enger gefasst
A.6.2.1 — Systemlebenszyklus
Art. 17(1)(c) — Lebenszyklustechniken
Design, Entwicklung, Validierung
A.6.2.4 — Verifikation und Validierung
Art. 15 — Genauigkeit, Robustheit
Tests vor Deployment
A.6.2.6 — Aufzeichnungspflichten
Art. 12 — Protokollierung
Automatische Ereigniserfassung
A.6.2.8 — Qualität und Genauigkeit
Art. 15 — Genauigkeit, Robustheit, Cybersicherheit
Leistung + Sicherheit
A.7 — Daten für KI
Art. 10 — Daten und Daten-Governance
Trainings-, Validierungs-, Testdaten
A.8 — Information für Nutzer
Art. 13 — Transparenz, Art. 50 — Offenlegung begrenztes Risiko
Nutzerdokumentation + Offenlegungen
A.9.3 — Menschliche Aufsicht
Art. 14 — Menschliche Aufsicht
Operationalisierte Aufsichtsmaßnahmen
A.10.2 — Lieferantenbeziehungen
Art. 25 — Wertschöpfungskettenverantwortung
Foundation-Modell-Verträge
Kapitel 7.5 + A.6.2.2
Art. 11 + Anhang IV — Technische Dokumentation
AIMS-Evidenz unterstützt Anhang IV

Was ISO 42001 nicht abdeckt

Sieben AI-Act-Pflichten außerhalb des ISO-42001-Scopes.

Reine AI-Act-Pflichten. Die Zertifizierung erfüllt sie nicht; separate Verfahren erforderlich.

  • Konformitätsbewertungsverfahren (AI Act Art. 43) — interne Kontrolle oder notifizierte Stelle
  • CE-Kennzeichnung für Hochrisiko-Systeme (AI Act Art. 48)
  • EU-Konformitätserklärung (AI Act Art. 47)
  • Registrierung in der EU-KI-Datenbank (AI Act Art. 49 + 71)
  • Meldung schwerwiegender Vorfälle innerhalb von 15 Tagen (AI Act Art. 73)
  • GPAI-Code-of-Practice-Pflichten (AI Act Art. 56)
  • Grundrechte-Folgenabschätzung für öffentlich-rechtliche Betreiber (Art. 27) über A.5-Scope hinaus

Wie Matproof hilft

Eine Plattform, beide Frameworks.

Das KI-Modul von Matproof betreibt das AIMS für ISO 42001 und speist die AI-Act-Pflichten aus derselben Quelle. Die 38 Annex-A-Controls mappen automatisch auf AI-Act-Artikel 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 25 und 72. Wo der AI Act Lücken hinzufügt (Art. 43 Konformitätsbewertung, Art. 48 CE, Art. 73 Vorfallsmeldung), bietet Matproof dedizierte Workflows, die Evidenz aus dem AIMS automatisch ziehen.

FAQ

Häufige Fragen

Ist ISO 42001 eine harmonisierte Norm nach dem AI Act?+

Noch nicht. Artikel 40 der KI-Verordnung schafft eine Vermutung der Konformität für Hochrisiko-KI-Systeme, die harmonisierten Normen entsprechen. Die EU-Kommission hat im Mai 2023 das Normungsmandat M/593 an CEN-CENELEC erteilt; das Komitee JTC 21 entwickelt die AI-Act-spezifischen harmonisierten Normen (erwartet 2026-2027). ISO 42001 informiert diese Arbeit und ist die existierende Norm, die dem am nächsten kommt — aber bis sie (oder ein Derivat) als harmonisierte Norm im Amtsblatt veröffentlicht ist, löst die Zertifizierung die Konformitätsvermutung nicht direkt aus.

Ersetzt eine ISO-42001-Zertifizierung die AI-Act-Konformitätsbewertung?+

Nein. Für Hochrisiko-KI-Systeme verlangt der AI Act ein formales Konformitätsbewertungsverfahren: interne Kontrolle (Art. 43 + Anhang VI) für die meisten Kategorien, oder Drittbewertung durch eine notifizierte Stelle (Anhang VII) für biometrische Identifikationssysteme. ISO 42001 ist eine freiwillige Management-System-Zertifizierung — sie zeigt Governance-Reife, ist aber rechtlich getrennt von der Konformitätsbewertung. Die beiden ergänzen sich: ein starkes AIMS macht die Konformitätsbewertung deutlich schneller und risikoärmer.

Wenn wir nicht im Scope des AI Act sind, brauchen wir trotzdem ISO 42001?+

Die meisten KI-Anbieter und -Betreiber sind in irgendeiner Form im AI-Act-Scope — Anbieter/Betreiber von Hochrisiko-Systemen tragen die schwersten Pflichten, aber begrenzt-risiko-Systeme (Chatbots, Deepfakes, Emotionserkennung) haben Transparenzpflichten nach Art. 50, und alle KI-Akteure haben die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4. ISO 42001 ist auch jenseits des AI-Act-Scopes wertvoll: Enterprise Procurement (RFPs und DPAs fragen zunehmend danach), Vorstands-Governance, Kunden-Due-Diligence und andere Jurisdiktionen (UK, US-Bundesstaaten, Kanada, Singapur), die auf ISO 42001 als Referenzstandard konvergieren könnten.

Was verlangt der AI Act, was ISO 42001 nicht abdeckt?+

Mehrere AI-Act-spezifische Pflichten liegen außerhalb des ISO-42001-Scopes: (1) das Konformitätsbewertungsverfahren selbst (Art. 43), (2) CE-Kennzeichnung für Hochrisiko-Systeme (Art. 48), (3) EU-Konformitätserklärung (Art. 47), (4) Registrierung in der EU-KI-Datenbank (Art. 49 + 71), (5) Grundrechte-Folgenabschätzung für Betreiber bestimmter öffentlich-rechtlicher KI (Art. 27 — A.5 deckt das teilweise ab), (6) Meldung schwerwiegender Vorfälle an nationale Behörden innerhalb von 15 Tagen (Art. 73), (7) die GPAI-Code-of-Practice-Pflichten nach Art. 56. ISO 42001 baut das Management-System; der AI Act fügt diese verfahrens- und meldetechnischen Auflagen hinzu.

Welche AI-Act-Artikel deckt ISO 42001 tatsächlich ab?+

ISO 42001 unterstützt direkt Art. 9 (Risikomanagement — Kapitel 6), Art. 10 (Daten und Daten-Governance — A.7), Art. 11 + Anhang IV (technische Dokumentation — Kapitel 7.5 + A.6.2), Art. 12 (Protokollierung — A.6.2.6), Art. 13 (Transparenz und Gebrauchsanweisung — A.8), Art. 14 (menschliche Aufsicht — A.9.3), Art. 15 (Genauigkeit, Robustheit, Cybersicherheit — A.6.2.8), Art. 17 (Qualitätsmanagementsystem — gesamtes AIMS), Art. 27 (Grundrechte-Folgenabschätzung — teilweise via A.5), Art. 72 (Post-Market-Monitoring — Kapitel 9) und Art. 25 (Wertschöpfungskettenverantwortung — A.10). Das sind etwa 60 % der Hochrisiko-Pflichten nach Artikelzahl.

Was ist schneller erreicht: ISO-42001-Zertifizierung oder AI-Act-Compliance?+

ISO 42001 ist meist schneller (4-9 Monate für Organisationen mit reifer ISO 27001), aber die beiden sind keine Alternativen — sie beantworten unterschiedliche Fragen. AI-Act-Compliance ist ein Status, bestimmt durch die Klassifizierung Ihrer KI-Systeme (verboten, Hochrisiko, begrenzt-risiko, minimal-risiko) und Ihre Rolle (Anbieter, Betreiber, Einführer, Händler). ISO 42001 ist ein Management-System, das die Arbeit für die jeweilige AI-Act-Klassifizierung unterstützt. Die pragmatische Reihenfolge: KI-Systeme nach AI Act klassifizieren, dann AIMS aufbauen, dann zertifizieren, dann AI-Act-spezifische Verfahren (Konformitätsbewertung, CE, Registrierung) abschließen.

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